Die Schlange aus: "Der kleine Prinz", 1957
Die Einarbeitung in Erwin Walthers Werk mit Klavier gerät zu einem spannenden Erlebnis. Dieser ruhelose Mann hat eine große Anzahl lebendiger Kompositionen geschaffen, bei deren Charakterisierung man sofort in Schwierigkeiten mit den Begriffen gerät. Gibt es ein System der Töneordnung, das den Werken zugrunde liegt, im Sinne von Zwölftonprinzipien oder gar serieller Gestaltung? Soll man von „atonaler“ Musik sprechen, sind „tonale“ Elemente feststellbar? Vielleicht könnte man Walthers Musik als „freitonal“ bezeichnen; aber auch dieser Begriff ist ungenau. Fest steht, dass der Komponist kein festes Prinzip der Töneordnung – ein „System“ also – bevorzugte. Die Motive, Themen, Zusammenklänge, Akkordgrundlagen, Akkordfortschreitungen und Rhythmen entwickeln sich spontan am Einzelwerk. Intuition ist wohl das Urprinzip seiner Arbeitsweise gewesen. Bei dieser „freitonalen“ Kompositionsweise bilden sich freilich „Grundtöne“ oder „Zentraltöne“, die kürzer oder länger die „ Basistöne“ des Klanges sind. Jedoch, man findet kein Tonartgefüge mehr, allerdings ist diese Musik auch nicht „atonal“. Erwin Walther arbeitete mit Motiven und Themen. Aus der Entwicklung des motivisch-thematischen Materials entsteht die Form. Dabei gibt es so manche Überraschung. Generell kann man der Klangsprache Walthers die Freude an der Ausdruckskraft der Dissonanz ablesen. In den tiefen Bereichen des Instrumentariums lässt er diese dann zu zarten Farben verschmelzen – ohne Härten. Viele der Klavierwerke umspannen eine weite Linie von Akkorden und impulsiven Aktionen – das hat eine große Poesie!
Hörbeispiel aus:
Klaviermusik zu "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry (1957)
Die Schlange die alle Rätsel löst
Hörbeispiel aus:
Studie für Violine und Klavier (1958)
Virtuos
Hörbeispiel aus:
Miniatur für Flöte und Klavier (1987)
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