Memento aus: 4 Lieder nach span.Texten, 1988
Im Schaffen Erwin Walthers nimmt das vokale Werk einen nicht unerheblichen Raum ein. Es finden sich Einzellieder in unterschiedlicher Begleitung, Liedersammlungen und – zyklen, große Chorwerke und Oratorien. Walthers Liedkompositionen sind skurrile, heitere, besinnliche, aber fast durchwegs expressive Lieder, die im gewählten Text und ihrer klangbildhaften Umsetzung gerade auch vom Klavier leben. Es werden höchste Ansprüche an Sänger und Pianisten gestellt: an die Gesangsstimme im verlangten Tonumfang, in der Treffsicherheit und bei höchst unsanglichen Sprüngen, in der Umsetzung komplizierter rhythmischer Notation und in der Durchhaltekraft intensivsten Ausdrucksgesangs und -sprechens. Beim Pianisten ist kein sklavisches Abspielen der Notation gewollt. Ihm obliegt, die Hintergrundmalereien, vorwärtstreibenden Akzente, schlagartigen Stimmungswechsel, pianistischen Effektdemonstrationen und das Zusammenspiel mit dem Sängersolisten als ein überlegener Dirigent zu leiten, zu begleiten und zu illustrieren.

Walthers Musik ist nur dann seine eigene, wenn alle diese Gestaltungselemente ganz aufgenommen werden und dabei nicht pedantisch, sondern großzügig verfahren wird. So sehr Walther die dynamischen wie expressiven Überraschungen liebt, so sind doch auch stereotype Begleitstrukturen zu finden. Der Komponist schätzt auch das Aufeinanderschichten von Intervallen und Rhythmen, das unperiodische Aneinanderreihen von Tonkomplexen, das Akzentuieren durch fortissimi und pianissimi in Extremlagen. Ein Ausdruckmittel ist in fast jeder seiner Liedschöpfungen festzustellen: Das Sprechen des Sängers quasi als Übergang und Steigerung vom kompliziert notierten zum nicht mehr notier- und ausführbaren Singen. Zur ersten Fassung von „Hiob-eine irdische Passion“ schrieb Eberhard Kraus: …das gedankliche Gebäude des Komponisten ist hier wahrhaft beeindrucken monumental, trotzdem in seinem Klangstreben feinsinnig und ohne Gigantik, einfach wahrhaftig und hörbar innerlich erlebt.
Hörbeispiel aus:
Sechs Lieder (Thomas Emmerig) für Sopran und Klavier (1979)
Es gibt noch Blumen
Hörbeispiel aus:
Vier Lieder nach spanischen Texten (1988)
Memento
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